300 Jahre

Breitkopf & Härtel

Das Festjahr

Breitkopf & Härtel ist heute der älteste Musikverlag der Welt. Voller Stolz und Dankbarkeit kann der Verlag auf eine im Musikleben einmalige Unternehmensgeschichte zurückblicken, die im Jahr 1719 in einer kleinen Leipziger Druckerei ihren Anfang nahm. In der Folge ließen Mut und Weitsicht bei unternehmerischen Entscheidungen, die geglückte Auswahl künstlerischer Partner sowie die stets verlässlich hohe Qualität seiner Ausgaben den Verlag seine heutige Position an der Spitze der Musikwelt einnehmen.

Im Jahr 2019 jährt sich die Gründung des Hauses zum 300. Mal. Wir laden Sie daher sehr herzlich ein, dieses besondere Jubiläum mit uns gemeinsam zu feiern.

Flyer „Veranstaltungen im Festjahr“

Unsere Geschichte

Die ausführlichen Einträge dieser Chronik für die Jahre 1719 bis 1798 geben bereits auszugsweise Texte der gedruckten Festschrift wieder, die im Laufe dieses Jahres erscheinen wird. Die Einträge für die Jahre 1807 bis 2019 – und hier insbesondere für die jüngere Geschichte der letzten 100 Jahre – werden in Kürze in gleicher Weise eingestellt.

Hochzeit von Bernhard Christoph Breitkopf und Maria Sophia Müller am 24. Januar

Die belegbare Vorgeschichte des „Müller’schen Geschäftes“ reichte bis ins Jahr 1542 zurück. Die Druckerei der Familie Müller wurde – gemäß der Zunfttradition – jeweils durch erneute Heirat des hinterbliebenen Ehepartners weitergegeben.

Die Trauung der Eheleute fand am 24. Januar 1719 in der Leipziger Nikolaikirche statt. „Da die Hochzeitsfeierlichkeiten im Hause der Braut unter drei Tagen nicht abzumachen waren, ihn selbst dabei möglicher- und verständlicherweise einige Unpässlichkeiten betroffen haben mögen, ging der neue Druckherr erst drei Tage später, am 27. Januar, an die Arbeit. Und diesen Tag haben dann die arbeitsamen und nüchternen Nachfahren als das gewichtige Datum des Beginns eines großen Unternehmens ausgewählt.“

Im selben Jahr wurde der einzige Sohn Johann Gottlob Immanuel geboren, im Jahre 1724 eine Tochter, die im Alter von 14 Jahren verstarb; zur Familie gehörten außerdem die drei Töchter von Maria Josepha Breitkopf aus deren Ehe mit Johann Caspar Müller. Als Bernhard Christoph Breitkopf 1738 auch die „vom Tode der Tochter niedergebeugte Frau“ verlor, ging er am 2. Februar 1739 „mit Theodora Sophia Kayser eine neue 33 Jahre währende glückliche Ehe“ ein.

Die Firma Breitkopf kam sehr bald zu hoher Blüthe. Fünf Jahre nach der Übernahme […] war die Offizin der Größe nach die dreizehnte am Orte, 1744 die dritte, und bald darauf galt Breitkopf als der erste Drucker Deutschlands. Neben der Druckerei war eine Verlagsbuchhandlung entstanden, zu der 1723 mit der Ausgabe einer hebräischen Handbibel der Grund gelegt wurde […]. (Biographisches Lexikon 1889)

Veröffentlichung einer hebräischen Bibel bei Bernhard Christoph Breitkopf

Der „apud Bernhard. Christoph. Breitkopffium.“ veröffentlichte Bibeldruck ist der erste unter dem Namen Breitkopf überlieferte Buchtitel. Das im Verlagsarchiv aufbewahrte Exemplar ist aus zwei gegeneinander (von vorn und von hinten) zu lesenden Teilen zusammengebunden: dem Neuen Testament (griechisch) und dem Alten Testament (hebräisch), ergänzt sind ein Register für den griechischen und Wortverzeichnisse mit Übersetzungen ins Lateinische für den griechischen und den hebräischen Teil. Herausgeber ist der zu jener Zeit als Rektor des Gymnasiums illustre Augusteum in Weißenfels tätige Theologe Christian Reineccius, der zusammen mit dem Universitätsprofessor „v. Mascow“ (vermutlich Johann Jakob Mascov, 1689–1761) den jungen Verleger in seinen Anfangsjahren „mit hinreichenden Mitteln“ unterstützte.

Beginn der Freundschaft und Zusammenarbeit mit Johann Christoph Gottsched

Ich wandte mich an den verständigen Herrn Breitkopf, bey dem ich bereits etliche Bogen Verse hatte drucken lassen, der aber noch kein Buch auf eigenen Verlag zu drucken gewaget hatte. Hier kam also ein neuer Schriftsteller und ein neuer Verleger zusammen: und sie wurden eins, ihr Heil zu versuchen. Herr B. las meine Uebersetzung und meine Anmerkungen durch, und fand so viel Vergnügen dran, daß er sich entschloß, selbst eine Probe damit zu machen: ob er künftig einen glücklichen Verleger abgeben könnte. Er druckete auch in der That diesen fontenellischen Tractat so sauber, daß dieß Büchlein, so zu reden, den Anfang der Epoche von schön gedruckten deutschen Büchern in diesem Jahrhundert abgab. Dies geschah 1726. (Johann Christoph Gottsched)

1736 war Gottsched einer der ersten Mieter im neu errichteten Haus „Zum goldenen Bären“ und wohnte dort im ersten Stock bis zu seinem Tod 1766. Bernhard Christoph Breitkopf druckte seine wichtigen theoretischen Schriften und Zeitschriften.
Nach 1900 fand eine Ausgabe der Werke Gottscheds ihren Weg in den Verlag Breitkopf & Härtel: „Der ersten Anfänge des Buchverlags eingedenk wurde der neugegründete ‚Gottsched-Verlag’ übernommen: Die von Eugen Reichel herausgegebenen Gesammelten Schriften in der sechsbändigen Ausgabe der ‚Gottsched-Gesellschaft’.

Einen besonderen literarischen Charakterzug verliehen der Breitkopf’schen Firma die Beziehungen zu J. Ch. Gottsched und dessen Frau Luise geb. Kulmus. Der damals als Reformator der Literatur und des Geschmackes gepriesene Dichter, Aesthetiker und Universitätslehrer verkehrte mit seiner geistreichen Gemahlin als Hausfreund bei Breitkopf und verlegte bei ihm verschiedene seiner Produkte. (Biographisches Lexikon 1889)

Einzug in das neu errichtete Haus „Zum goldenen Bären“

Der ehemalige Gasthof war 1732 erworben und dann abgerissen worden, damit an seiner Stelle ein mehrstöckiges Wohn- und Gewerbehaus errichtet werden konnte. Die Immobilie lag neben der bis dato genutzten kleinen Müllerschen Druckerei „auf dem alten Neumarkte“, der späteren Universitätsstraße. Der Enkel Christoph Gottlob Breitkopf notierte am Ende seines Lebens nach den Erzählungen des Großvaters: „Weil nun in dem kleinen Hause der Platz die Druckerey zu vergrößern durchaus zu klein war, so handelte mein Großvater mit Mascows Genehmigung um den Goldenen Bär, welcher damals ein alter verfallener Gasthof mit Ausspannung [gemeint: der Pferde], Bierbrau, Bier- und Weinschanks Gerechtigkeit war, und zwei alten hinterlassenen Jungfern des verstorbenen Advokaten Kaysers gehörte. […]“

Der Goldene Bär wurde 1867 an die Universität verkauft und im Dezember 1943 beim Luftangriff der Royal Air Force zerstört.

Veröffentlichungen von Schemellis „Musicalischem Gesang-Buch“ und Sperontes’ „Singender Muse an der Pleisse“

Die in diesem Musicalischen Gesangbuche befindlichen Melodien, sind von Sr. Hochedl. Herrn Johann Sebastian Bach, Hochfürstl. Sächß. Capellmeister und Directore Chor. Musici in Leipzig, theils ganz neu componiret, theils auch von Ihm im General-Baß verbessert, und beym Anfange eines jeden Liedes gleich eingedrucket worden. Man hätte deren noch mehrere beyfügen können, wenn man nicht bedencken müssen, daß hiedurch manchem das Buch zu theuer werden mögen. (Aus der Vorrede)

Die Klärung der Frage, welche der Lieder von J. S. Bach „neu componiret“, welche „im General-Baß verbessert“ sein mögen, hat bis heute zu unterschiedlichen Resultaten geführt. Als erster beschäftigte sich Philipp Spitta 1880 in Band II seiner Bach-Biographie mit dem Problem und ordnete dem Komponisten 29 Melodien zu. Der 1892 erschienene Band 39 der Werkausgabe reduzierte deren Zahl bereits auf 24, und während das Bach-Werke-Verzeichnis in der Erstausgabe von 1950 mit der Begründung, dass zumindest die Generalbass-Bezifferung durchgängig von Bach stammen könnte, noch einmal alle mit Noten abgedruckten Stücke aufführt (BWV 439–507), gilt in der heutigen Forschung Bachs vollständige Autorschaft lediglich noch für BWV 452, 478 und 505 als gesichert. Das Gesangbuch war letztlich wenig erfolgreich: Eine weitere, in der Vorrede 1736 angekündigte (und sogar „bey 200 Melodien, die zum Stechen bereits fertig liegen“, vermehrte) Auflage kam nicht zustande.

Übernahme der Druckerei durch Johann Gottlob Immanuel Breitkopf

Mit dem Einstieg Johann Gottlob Immanuel Breitkopfs in das väterliche Geschäft sollten die Geschicke der Firma nach und nach auf „eine der schillerndsten Figuren im Druckgewerbe des 18. Jahrhunderts“ übergehen. 1746 heiratete Breitkopf Friderica Constantia Brix, mit der er fünf Töchter und drei Söhne hatte (drei Kinder überlebten ihn).
1762 wurde Immanuel Breitkopf als Teilhaber in den Buchverlag aufgenommen, und während der Buchverlag ab dato als „Bernhard Christoph Breitkopf und Sohn“ firmierte, erschienen parallel dazu die vom Sohn verantworteten Notendrucke und ersten musiktheoretischen Bücher schon von 1756 an unter dessen Namen (zunächst auch „Dalla Stamperia di Giovan. Gottl. Imman. Breitkopf.“). Bald initiierte Immanuel Breitkopf auch die Aufnahme diverser Zeitschriften in sein Programm (u. a. Magazin der neueren französischen Litteratur, Leipziger gelehrte Zeitung, Magazin des Buch- und Kunsthandels). Er übernahm Buchhandlungen in Dresden, Bautzen und Görlitz, gründete 1770 eine Spielkartenfabrik und führte diese nach erfolglosem Geschäft 1782 als Buntpapierfabrik fort, in welcher er in Konkurrenz zu englischen Papiertapeten komplette „Zimmer-Verzierungen“ im „guten Geschmacke, den die griechische und römische Baukunst lehret“, produzierte.
1777 starb der Vater Bernhard Christoph Breitkopf, womit „Officin, Gießerey und Handlung“ endgültig an den einzigen Erben übergingen; ebenfalls 1777 begann Johann Gottlob Immanuel Breitkopf mit der Veröffentlichung seiner größeren Untersuchungen zur Geschichte und Technik der Druckkunst, von denen sein Hauptwerk, eine Kritische Geschichte der Buchdruckerkunst, Fragment geblieben ist.

Erste Notendrucke mit beweglichen Lettern

Die folgenreichste Erfindung für das Druckereiwesen des 18. Jahrhunderts, aber nicht zuletzt auch für die Ausrichtung der eigenen Verlagstätigkeit, war die von Johann Gottlob Immanuel Breitkopf entwickelte Notendrucktechnik „mit teilbaren und beweglichen Lettern“ (Notentypendruck). 1754 wurde eine erste Notenprobe von der Aria „Wie mancher kann sich schon entschließen“ gefertigt und über Johann Christoph Gottsched der Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis von Sachsen vorgelegt. Diese war von dem Probedruck so überzeugt, dass sie Breitkopf (nach dessen eigener Darstellung) bat, das von ihr komponierte Dramma pastorale Il trionfo della fedeltà in dieser Technik zu produzieren. Für den Druck der Partitur, die einen Umfang von 324 Seiten erreichte, wurden letztlich 14 Monate benötigt, da die Arbeit offenbar die meisten der gerade erst angefertigten Stempel benötigte. In der Zwischenzeit machte Breitkopf seine Erfindung mittels einer „Nachricht von einer neuen Art Noten zu drucken“ bekannt; dieser Nachricht fügte er als Stichprobe eine Sonettvertonung des Braunschweigischen Kammersekretärs Johann Friedrich Gräfe (Leipzig 1755) bei.

Breitkopfs Erfindung war die Initialzündung für eine beispiellose Musikalienproduktion – „teils in Verlag, teils auf Subskription der Tonsetzer, teils für Rechnung anderer Verleger“ –, die sogar schon während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) einsetzte und bald alle namhaften deutschen Komponisten an den Verlag zog: Telemann, Quantz, Hasse, die Brüder Graun, die Bach-Söhne, Leopold Mozart, Agricola, Kirnberger, Haydn, Dittersdorf, Stamitz, Neefe, Reichardt und andere. Die gedruckten Neuerscheinungen des eigenen Verlags traten zum Lagerbestand aus deutschen und ausländischen, geschriebenen und gedruckten Musikalien hinzu – ein Sortiment, das Breitkopf 1760 bis 1787 in diversen systematischen und thematischen Katalogen publik machte, von denen insbesondere die ab 1762 in 5 Teilen und 16 Supplementen erschienenen Verzeichnisse handschriftlicher Musikalien mit Notenincipits (aus seiner 1760 begründeten „Musikhandlung aus lauter Manuscripten“) von denkbar großem Quellenwert für die Musik des mittleren 18. Jahrhunderts sind, etwa für die Werke Bachs und Haydns.

Neubau des Hauses „Zum silbernen Bären“

Ostern 1746 hatte Bernhard Christoph Breitkopf das dem Goldenen Bären gegenüberliegende, Anfang 1765 das angrenzende Eckhaus gekauft (Arche und Müllersches Haus), im April 1765 begann der Abriss, und noch im selben Monat zur Ostermesse erfolgte die Grundsteinlegung für den Silbernen (oder Weißen) Bären. 1767 wurde der Bau des silbernen Bären glücklich vollendet und nach Ostern völlig bezogen. Während Hauptgeschäft, Buchdruckerei, Schriftgießerei, Papierfabrik und Buchladen im Goldenen Bären verblieben, wurde im neuen Gebäude ein weiterer Teil der Druckerei untergebracht; außerdem zogen die Familie Immanuel Breitkopfs sowie der Kupferstecher Johann Michael Stock und der Arzt Dr. Reichel ein.

1765 kam Johann Wolfgang Goethe nach Leipzig und machte die Bekanntschaft der Familie Breitkopf: „ich ging ihnen beim Auf- und Ausbau, bei’m Möbliren und Einziehen zur Hand, und begriff dadurch manches, was sich auf ein solches Geschäft bezieht; auch hatte ich Gelegenheit, die Oeserischen Lehren angewendet zu sehen. In dem neuen Hause, das ich also entstehen sah, war ich oft zum Besuch.“ Besonders freundete er sich mit den beiden Söhnen des Hauses an, die ungefähr seines Alters waren: Bernhard Theodor Breitkopf (geb. 1749) und Christoph Gottlob Breitkopf (geb. 1750).

Der Silberne Bär wurde 1794, noch im Todesjahr Gottlob Immanuel Breitkopfs, verkauft, 1894 abgebrochen und danach durch ein moderneres Gebäude ersetzt, das – wie der Goldene Bär – 1943 zerbombt wurde.

Veröffentlichung der „Vierstimmigen Choralgesänge“ von Johann Sebastian Bach

Dass die auf vier Bände angelegte Ausgabe von Bachs „vierstimmigen Chorälen“ ein verdienstvolle und zukunftsweisende Unternehmung werden würde, war zunächst nicht vorauszusehen, war das Interesse an den Werken doch vorerst theoretischer, weniger musikpraktischer Natur: In seinem Subskriptionsaufruf vom Juli 1781 betonte der Verlag, dass der Wunsch des Sammlers und Herausgebers Johann Philipp Kirnberger vor allem dahin ziele, dass die Choräle „durch den Druck auf die Nachwelt kommen möchten, weil sie die einzigen Muster des reinen Satzes und eine nie versiegende Quelle für angehende Componisten“ seien, und er teilte vorsichtshalber mit, dass, wenn die Pränumeration bis Ostern 1782 fruchtlos verliefe, die „ganze Unternehmung“ unterbleiben würde.

Dennoch hat die Sammlung im Nachhinein eine besondere Bedeutsamkeit bekommen, denn sie enthält 186 in Klaviernotation aufgezeichnete Choralsätze, deren Entstehungszusammenhänge im Œuvre Bachs heute nicht mehr zu bestimmen, d. h. deren Originale verschollen sind. Breitkopfs Ausgabe wurde zur Basis etlicher weiterer Veröffentlichungen im 19. Jahrhundert.

Übernahme der Verlagsleitung durch Christoph Gottlob Breitkopf

1790 schloss Gottlob Immanuel Breitkopf einen „Societaets-Contract“ mit seinem Schwiegersohn, Akzisinspektor Christian Gottlob Stopp (seit 1781 zweiter Ehemann der zweiten Tochter Louise Marie Wilhelmine), der de facto bereits seit 1782 in Vertretung des alten Breitkopf die wirtschaftliche Verwaltung des Hauses innehatte. Mit diesem auf Lebenszeit Breitkopfs angelegten Vertrag, der den Firmennamen unangetastet ließ, dem neuen Gesellschafter jedoch großzügige finanzielle Zugeständnisse machte, dürften die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Verlages begonnen haben: Anfang 1791 wurden die auswärtigen sächsischen Buchhandlungen sowie das in Familienbesitz befindliche Rittergut Abtnaundorf, 1794 „übereilt“, und höchstwahrscheinlich auf Betreiben Stopps, der Silberne Bär und weitere Liegenschaften veräußert; zudem fand im Oktober 1795 im Roten Kolleg die öffentliche Versteigerung der 19.511 Bände umfassenden, von Immanuel Breitkopf hinterlassenen Bibliothek statt. Am 27. Dezember 1793 heiratete Christoph Gottlob Breitkopf, am 19. Januar 1794 kehrte er von der Hochzeitsreise zurück, am 28. Januar 1794 starb der Vater Gottlob Immanuel Breitkopf, der bereits zu Lebzeiten anerkannt und geehrt war. Sein Tod fand gleichfalls überregionale Beachtung.

Sozietätsvertrag mit Gottfried Christoph Härtel

Nachdem die vertraglich festgesetzte Geschäftstätigkeit von Christian Gottlob Stopp mit dem Tod Immanuel Breitkopfs abgelaufen war und gelöst werden konnte, holte sich Gottlob Breitkopf Rat bei Gottfried Christoph Härtel. Mit dem schrittweisen und zugleich zügigen Eintritt Gottfried Christoph Härtels waren die Weichen für die weitere Zukunft des Unternehmens gestellt: Ein Erbvertrag vom Dezember 1795 regelte das Verhältnis Gottlob Breitkopfs zu seinen Geschwistern, im August 1796 erfolgte der Abschluss eines Dissoziations-(„Dissolutions-„) und Kaufkontraktes zwischen Breitkopf und Härtel, dessen komplexes Regelwerk den Umgang mit allen Aktiva und Passiva, Wechseln und Schuldverschreibungen der Firma sowie privaten Vermögenswerten und Versorgungsansprüchen der Breitkopfschen Familienmitglieder genauestens festschrieb. Mit Härtels Eintritt in diese neuen Verhältnisse begann nach dem Urteil der Zeitgenossen ein reges, frisches Leben. „[…] Als der letzte Breitkopf starb [im April 1800], stand die Handlung bereits neu gefestigt da, als Musikalienhandlung wohlgerüstet das neue Jahrhundert in die Schranken zu rufen.“ (Oskar von Hase)

Beginn des Erscheinens der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ und der „Œuvres complettes“ von Wolfgang Amadeus Mozart

Mit der Allgemeinen musikalischen Zeitung (AmZ) rief Härtel die erste anspruchsvolle deutsche Musikzeitschrift ins Leben, die zunächst ein halbes Jahrhundert lang zuverlässig über das Musikleben im In- und Ausland berichtete und erst 1834 durch die von Robert Schumann herausgegebene Neue Zeitschrift für Musik ernsthafte Konkurrenz erhielt. Als Redakteure der Zeitung fungierten nacheinander Friedrich Rochlitz, Härtel selbst, Gottfried Wilhelm Fink, Moritz Hauptmann (späterhin Mitbegründer der Bach-Gesellschaft und Herausgeber der ersten Bände der Bach-Gesamtausgabe) und Johann Christian Lobe, zu den auswärtigen Korrespondenten zählten Friedrich Wilhelm Jähns und Philipp Spitta (Berlin), Hermann Deiters (Bonn), Alexander Ritter (Magdeburg), Karl Emil von Schafhäutl (München) und Martin Gustav Nottebohm (Wien). Der wöchentlich erscheinenden Zeitung wurde unregelmäßig das Intelligenz-Blatt zur allgemeinen musikalischen Zeitung mit Anzeigen beigelegt, außerdem gab es variable Beilagen mit Musikbeispielen, ganzen Musikstücken und Illustrationen sowie pro Jahrgang das Porträt eines bedeutenden Musikers (im ersten Jahrgang Johann Sebastian Bachs). Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven erhielten ein Freiexemplar und avancierten, zusammen mit dem bereits verstorbenen Wolfgang Amadeus Mozart, dank der nachdrücklichen Berichterstattung zum anerkannten „Triumvirat“ der Wiener Klassiker; Johann Wolfgang Goethe besaß ein Abonnement und schrieb in einem Brief an Härtel: „Vielleicht finde ich bald Gelegenheit, öffentlich etwas zu Gunsten einer Anstalt zu sagen, welche den Beifall eines jeden Kunstfreundes verdient.“ Mit drei Jahrgängen einer Neuen Folge versuchte man 1863 bis 1865, an den vormaligen Erfolg anzuknüpfen, außerdem erschienen mit drei Jahrgängen der Leipziger Allgemeinen musikalischen Zeitung und 14 Jahrgängen der Allgemeinen musikalischen Zeitung ab 1866 Nachfolger in anderen Verlagen.

Nachdem der Verlag im Mai 1798 „Madame“ Mozart „ergebenst“ ersucht hatte, „daß Sie die Güte haben wollen, uns wissen zu lassen, was für ungestochene ächte Compositionen Ihres Herrn Gemahls noch in Ihren Händen sind“, erschien noch im selben Jahr der erste Band der 1816 am Ende 17bändigen Œuvres complettes des Komponisten, enthaltend Klavierwerke, Kammermusik und Lieder. Als im Folgejahr in der AmZ die Veröffentlichung des Requiems angekündigt wurde, schrieb Constanze Mozart an den Verlag: „Sie haben ein Wunderwerk gethan, einen Todten erweckt.“ Zu den aufwendiger ausgestatteten, in Subskription erhältlichen Ausgaben, allesamt im Typendruck Gottlob Immanuel Breitkopfs, zählte neben dem Requiem als einzige Oper Don Giovanni, später folgten Klavierauszüge zu weiteren Bühnenwerken.

Beginn der Pianoforte-Fabrikation

Gottfried Christoph Härtel beginnt 1807 mit der Pianoforte-Fabrikation, die bis 1870 gepflegt wird und dem Verlag auch auf diesem Gebiet einen klangvollen Namen verschafft. Die Breitkopf-Flügel werden im 19. Jahrhundert von Pianisten wie Franz Liszt und Clara Schumann überaus geschätzt.

Härtels Entschluss, nach dem anfänglichen Handel nun auch in die Klavierfabrikation in eigener Regie einzusteigen, ist sicherlich nicht aus einer spontanen Laune heraus entstanden. Die Pianoforteherstellung entwickelte sich neben dem Musikverlag zu einem gewichtigen Zweig des Unternehmens mit zeitweise bis zu 35 eigenen Arbeitern. Für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts kann man feststellen, dass Breitkopf nicht nur die später so berühmte Leipziger Klavierindustrie begründete, sondern mit einer jährlichen Produktion von etwa 40 bis 60 Instrumenten zu den bedeutendsten deutschen Pianofortefabriken gehörte.

Beginn der Zusammenarbeit mit Ludwig van Beethoven

„[…] Es ist kein aufblasen, wenn ich ihnen sage, daß ich ihnen vor allen andern den Vorzug gebe […]“

Mehrere Erstausgaben, beginnend mit op. 67 (5. Symphonie) bis op. 86 (C-dur Messe) sind Zeugnisse dieses gemeinsamen Weges. Bereits zuvor waren das Streichquintett op. 29 sowie die Klaviervariationen opp. 34 und 35 als Erstausgabe bei Breitkopf & Härtel erschienen.

Nach einer ersten Zusammenarbeit in den Jahren 1802/03 wurde Gottfried Christoph Härtel in den Jahren 1808-1812 der Hauptverleger Ludwig van Beethovens. In dieser Zeit erschienen im Leipziger Verlag nicht nur einige der gewichtigsten Werke Beethovens, es wurde zudem ein umfangreicher, inhaltlich oft über die unmittelbaren Verlagsgeschäfte hinausgehender hochinteressanter Briefwechsel geführt. Beethoven sah in Härtel nicht nur den Verleger seine Kompositionen, sondern immer auch den Verleger der damals wichtigsten und einflussreichsten Musikzeitung.

Tod von Gottfried Christoph Härtel

Im Todesjahr Beethovens und Gottfried Christoph Härtels lässt sich eine beeindruckende Zwischenbilanz ziehen. 393 Autoren sind im 1826 erscheinenden „Verzeichniß der jetzt lebenden Componisten“ vertreten, wovon 291 das Kürzel „B&H“ tragen. Fast alle klangvollen Namen des 19. Jahrhunderts sind im Katalog vertreten.

Nach Gottfried Christoph Härtels Tod leiten seine Vettern Florens und Wilhelm Härtel vorübergehend den Verlag.

Raymund Härtel tritt in die Verlagsleitung ein

Raymund Härtel (1810-1888), der jüngere Sohn Gottfried Christoph Härtels, tritt als „Theilnehmer in der Führung des Ganzen“ (so der Wortlaut eines damaligen Rundbriefs) in den Verlag ein. Seine Ausbildung war an der künftigen praktischen Arbeit orientiert – so wird er wie Johann Gottlob Immanuel Breitkopf in jungen Jahren Mitglied der Leipziger Buchdruckerinnung. Das Wohnhaus Raymund Härtels ist Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Leipzig. Mendelssohn, Liszt und andere prominente Gäste treten dort als Solisten bei Hauskonzerten auf.

Überhaupt festigen sich mit dem Eintritt Raymund Härtels die Verbindungen zu der gleichaltrigen, noch jugendlichen Komponistengeneration. Mendelssohn, der dem Verlag bereits 1830 sein Streichquartett op. 13 anvertraut hat, bevorzugt zeitlebens das Leipziger Verlagshaus.

Hermann Härtel tritt in die Verlagsleitung ein

Mit Hermann Härtel (1803-1875), dem Bruder Raymund Härtels, kommt ein promovierter Jurist in die Geschäftsleitung von Breitkopf & Härtel. Künstlerisch und musisch hochgebildet, wirkt Hermann Härtel zunächst mehrere Jahre in Rom, bis er sich dauerhaft in Leipzig niederlässt und die praktische Verlagsarbeit aufnimmt. Hermann und Raymund Härtel wirken in Organisationen des Buch- und Musikverlagswesens, verschiedenen Leipziger Vereinen und setzen sich wiederholt für kulturelle Belange ihrer Heimatstadt ein.

Hermann Härtel erwirbt sich insbesondere als Sachverständiger des „Börseinvereins der Deutschen Buchhändler“ Verdienste, indem er schon Mitte des 19. Jahrhunderts eine einschneidende Reform der urheberrechtlichen Schutzfristen erwirkt.

Beginn der verlegerischen Zusammenarbeit mit den Romantikern

Bereits 1837 bietet Robert Schumann mit seinen „Fantasiestücken“ und dem „Carnaval“ zwei reifere Klavierkompositionen an, mit denen die langjährige Verlagsbeziehung beginnt. Ein Jahr später wird Franz Liszt Verlagsautor – eine Verbindung, die sich allerdings dauerhaft erst dann gestaltet, als Liszt 1848 Hofkapellmeister in Weimar wird.

Wieder ein Jahr später, im Januar 1839 schreibt Robert Schumann aus Wien an Raymund Härtel: „Ich war vor einigen Tagen bei dem Bruder von Franz Schubert und sah mit Verwunderung die Schätze, die in seinem Verwahr sind. Es sind einige Opern, vier große Messen, vier bis fünf Symphonien und vieles andere. […] Namentlich erlaube ich mir, Sie auf die höchst merkwürdigen Messen und Symphonien aufmerksam zu machen.“ Noch 1839 bringt Mendelssohn Schuberts „Große“ C-dur-Symphonie im Leipziger Gewandhaus zur Uraufführung.

Weitere illustre Namen wie Bruch, Gade, Heller, Loewe, Lortzing, Raff, Reinecke und Anton Rubinstein dokumentieren die Breite der Verlagsaktivitäten auf dem Gebiet der zeitgenössischen Musik Mitte des 19. Jahrhunderts.

Das erste „Halbjahrhundert der Gesamtausgaben“

Die Bach-Gesamtausgabe, die erste Gesamtausgabe mit textkritischem Anspruch, nimmt 1851 ihren Anfang. Entscheidend für das Zustandekommen des Projekts ist die Gründung der „Bach-Gesellschaft“ an Bachs 100. Todestag am 28. Juli 1850. Liszt, Adolf Bernhard Marx, Moscheles, Schumann, Spohr – und der Verlag Breitkopf & Härtel – gehören zu den Gründungsmitgliedern. Zu ihrer vordringlichsten Aufgabe erklärt die Gesellschaft „1. Den Zweck, eine vollständige kritische Ausgabe aller Werke Bachs herzustellen […]“. Schon im Dezember 1851 liegt der erste Band, die „Kirchencantaten No. 1-10“ gedruckt vor. Die Nummerierung der Kantaten hat bis heute Gültigkeit, da sich die BWV-Nummern Wolfgang Schmieders an dieser Reihenfolge orientieren.

Der Beginn der Bach-Gesamtausgabe bedeutet gleichzeitig den Anfang des „Halbjahrhunderts der Gesamtausgaben“ – die Werke Händels (1858), Beethovens (1862), Palestrinas (1862), Mendelssohns (1874), Mozarts (1876), Schumanns (1879) Schuberts (1884), Lassos (1894) und Berlioz‘ (1900) wurden allesamt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei Breitkopf & Härtel begonnen.

Nachdem Hermann Härtel eine Aufführung des „Lohengrin“ in Weimar besucht hatte, sagte er dem im Züricher Exil weilenden Richard Wagner Inverlagnahme und Druck seiner Oper zu. Zehn Jahre lang steht Wagner mit Breitkopf & Härtel in intensivem Gedankenaustausch, der um die Entstehung der ersten Akte des „Ring des Nibelungen“ kreist und schließlich in der Veröffentlichung von „Tristan und Isolde“ gipfelt.

Das Köchel-Verzeichnis (KV) erscheint

Das Köchel-Verzeichnis setzt einerseits einen entscheidenden Akzent in der Mozart-Forschung, zum anderen nimmt mit der autodidaktischen Pioniertat des k.u.k. Gymnasialinspektors Ludwig Ritter von Köchel (1800-1877) die systematische Werkkatalogisierung bedeutender Komponisten ihren Anfang.

Kleinere, eher unter verlagspraktischen Gesichtspunkten erstellte Verzeichnisse erscheinen bei Breitkopf & Härtel zu Beethoven, Brahms, Mendelssohn und Schumann, bis 1905 mit dem Wotquenne-Verzeichnis (Wq) der Werke C.P.E. Bachs und nach 1945 mit dem Reger-Verzeichnis von Fritz Stein und dem Bach-Werke-Verzeichnis (BWV) von Wolfgang Schmieder wieder wissenschaftliche Sichtungen, Gruppierungen und eigenständige Nummerierungen erarbeitet werden.

Beginn des Neubaus in der Nürnberger Straße

Im Laufe der Jahre ist der „Goldene Bär“ trotz des Hinterhauses viel zu klein geworden. Ein groß angelegter, mehrstöckiger Neubau in der Nürnberger Straße Nr. 36/38, zwischen Sternwarten- und Bauhofstraße gelegen, beherbergt von nun an alle Verlagszweige sowie Lager und Auslieferung.

Beginn der „Volksausgabe“ bei Breitkopf & Härtel

Die „Volksausgabe Breitkopf & Härtel“ wird ins Leben gerufen – ein Beweis, dass sich das klassisch-romantische Musikrepertoire gefestigt hat und in höheren Auflagen angeboten werden kann, „welche sich durch Billigkeit, Korrektheit, gute Ausstattung auszeichnen“. Entscheidend für den Zeitpunkt der Einführung wird für den Verlag der Ablauf der damals 30jährigen Schutzfrist für die Werke Mendelssohns. Nach wenigen Jahren umfasst die „VA“ (so die im Katalog übliche Abkürzung) fast alle wichtigen Konzertwerke der vergangenen Epochen.

Übergabe der Verlagsleitung an Dr. Oskar von Hase und Wilhelm Volkmann

Nach 45-jähriger Tätigkeit an der Spitze des Verlages wird Hermann Härtel im Januar 1880 verabschiedet. Da sein Bruder Raymund bereits 1875 und die Söhne Hermann und Raymund Härtels noch einige Jahre zuvor gestorben waren, wird die Geschäftsführung durch ihre Neffen Oskar von Hase (* 15. September 1846 in Jena, † 26. Januar 1921 in Leipzig) und Wilhelm Volkmann (* 12. Juni 1837 in Leipzig, † 24. Dezember 1896 in Leipzig), die Söhne der Schwestern Pauline von Hase und Adele Volkmann, übernommen.

Wilhelm Volkmann, buchhändlerisch ausgebildet, wirkt seit 1860 im Verlag und erwirbt sich große soziale Verdienste als Stadtrat von Leipzig.
Oskar von Hase, seit 1873 Prokurist und seit 1875 Teilhaber, mag mit einer buchhändlerischen Ausbildung, der Promotion über die Geschichte des Buchhandels, 26 Jahren Vorstandstätigkeit im „Verein der deutschen Musikalienhändler“ und einer Vielzahl ähnlicher ehrenamtlicher Aufgaben als Buchhandelsexperte par excellence gelten.

Breitkopf & Härtel Brüssel, London New York

Auf Anregung François Auguste Gevaerts, Musikforscher und Leiter des Brüsseler Konservatoriums, eröffnet Breitkopf & Härtel am 2. Februar in Brüssel die erste Zweigniederlassung im Ausland, die sich rasch zum Großsortiment entwickelt und 1907 in der Rue Coudenberg sogar ein neues Gebäude errichtet. Die Namen Gevaert, Tinel, Grétry, Ysaye und vieler anderer belgischer Komponisten erscheinen in diesen Jahren in den Verlagskatalogen.

Breitkopf & Härtel gründet 1890/91 die „Bear Buildings“ in London und New York und ist damit in zwei weiteren Metropolen direkt präsent. Komponisten wie Edward Elgar und Edward MacDowell werden in der Folge ins Verlagsprogramm aufgenommen.

Einführung der „Breitkopf Bibliotheken“

„Breitkopf & Härtels Chor-Bibliothek“ (ChB) wird aus der Volksausgabe ausgegliedert und steht am Anfang der verschiedenen aufführungspraktischen „Bibliotheken für den Konzertgebrauch“. 1890 folgt die „Orchester-Bibliothek“ (OB), 1893 die „Partitur-Bibliothek“ (PB), 1898 die „Kammermusik-Bibliothek“ (KM). 1879 waren die Libretti in der „Text-Bibliothek“ (TB) vorangegangen. Spezieller und kurzlebiger ist 1898 die Auffächerung in die „Klavier-Bibliothek“ (KlB), „Orgel-Bibliothek“ (Org), „Violin-Bibliothek“ (Viol), „Viola-Bibliothek“ (VlA) und „Violoncell-Bibliothek“ (Vcll), die 1913 in die „Edition Breitkopf“ aufgenommen werden.

Die zuvor erwähnten vier „Standard-Bibliotheken“ (PB, OB, ChB, KM) sind heute unverändert ein klassisches Markenzeichen für verlässliche Notentexte und gute Druckqualität. Die ornamentreiche, aus Spätbarock- und Rokoko-Elementen hervorgegangene Umschlag hat sich für die „Partitur- und Orchester-Bibliothek“ (PB/OB) bis heute erhalten und dürfte sich in den verschiedenen Farben – Partituren blau, Violine I hellgrün, Violine II rosa, Viola grau, Violoncello/Kontrabass braun, Harmoniesatz gelb, Orgel und Soloinstrumente dunkelgrün – auf allen Orchesterpulten der Welt wiederfinden lassen.

Wie die Verlagsleitung in den „Hausmitteilungen“ näher darlegt, wird durch das Angebot gedruckten Stimmenmaterials eine neue Epoche in der Geschichte der Musikedition eingeleitet: “Von gedruckt vorliegenden Werken Abschriften zu fertigen, ist wirtschaftlich falsch… Alle diejenigen machen sich um die öffentliche Musikpflege verdient, die mit Hand anlegen, das Abschriftenzeitalter der Musik endgültig zu überwinden.“

Ferruccio Busoni wird Verlagskomponist

Breitkopf & Härtel schließt mit der jungen, auch andernorts begehrten Komponistenhoffnung Ferruccio Benvenuto Busoni einen Exklusivvertrag ab.
Zeitlebens bleibt Busoni dem Verlag nicht nur als Komponist eng verbunden. Er beginnt schon 1892 mit der Veröffentlichung seiner Bach-Ausgabe, in der er die Klavierwerke minutiös einrichtet und sowohl pianistisch wie auch pädagogisch ausführlich erläutert. Busoni schreibt Kadenzen zu den Klavierkonzerten Mozarts, die er in seinem Konzertrepertoire pflegt, und fungiert schließlich seit 1907 als Mitherausgeber der (unvollständig gebliebenen) Liszt-Gesamtausgabe.

Beginn der „Denkmäler Deutscher Tonkunst“

Samuel Scheidts „Tabulatura nova“, herausgegeben von Max Seiffert, wird als Probeband der „Denkmäler deutscher Tonkunst“ vorgelegt. Die kontinuierliche Fortsetzung dieser aufwändigen Publikationsreihe erfolgt erst 1901 – da jedoch bei Breitkopf & Härtel zuvor mit dem Erscheinen der „Denkmäler der Tonkunst in Bayern“ (1899) eine andere wichtige Denkmäler-Ausgabe begonnen hat und auch andernorts „Denkmäler“-Publikationen herauskommen, mag das Erscheinen der Scheidt-Sammlung als auslösendes Moment für die verschiedenen Reihen gelten.

Ludwig Volkmann tritt in die Verlagsleitung ein

Ludwig Volkmann (* 9. Januar 1870 in Leipzig, † 10. Februar 1947 in Leipzig), seit 1895 Prokurist, wird nach dem Tod seines Vaters Teilhaber des Verlags und 1901 als Nachfolger Oskar von Hases Vorsteher des „Deutschen Buchgewerbevereins“. Schriften zur Kunstgeschichte und leitende Aufgaben in Vereinen, die sich mit den damals aktuellen Fragen des Urheberrechts befassen, runden das Bild einer vielseitig orientierten Persönlichkeit ab.

Jean Sibelius wird Breitkopf-Komponist

Nach Busoni beginnt Breitkopf & Härtel erneut die erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem international renommierten jungen Komponisten: der 33-jährige Jean Sibelius, dessen erste Orchesterwerke „Kullervo“, „En Saga“ und „Lemminkäinen“ enthusiastisch aufgenommen wurden, verbringt während einer Reise durch Deutschland einige Tage in Leipzig. Zunächst konzentriert sich die Verbindung auf die Inverlagnahme von Orchesterwerken. Später, am 28. September 1910, erklärt Sibelius: „Hiermit übertrage ich den Herren Breitkopf & Härtel in Leipzig das Vorkaufsrecht an allen meinen Kompositionen, die ich noch zu veröffentlichen gedenke…“ – eine vertrauensvolle Übereinkunft, die nur während des Ersten Weltkriegs für einige Jahre unterbrochen wird.

Das erste vollständige Verlagsverzeichnis erscheint

Das „Verzeichnis des Musikalien-Verlages von Breitkopf & Härtel in Leipzig“, neu zusammengestellt und streng alphabetisch angeordnet von Theodor Biebrich, seit 1900 im Verlag tätig und damals für die Werbeabteilung verantwortlich, enthält sämtliche lieferbaren Werke mit den jeweiligen Bestellnummern und Preisen – eine unschätzbar wertvolle bibliographische Quelle für die Druckausgaben des 19. Jahrhunderts, die dem über 1200 Seiten starken Band zu Recht den ehrwürdigen Namen „Breitkopf-Bibel“ eingebracht hat.

Gründung der Niederlassung in Berlin

Der Erwerb der Musikalienhandlung Raabe & Plothow ermöglicht es dem Verlag, eine Zweigniederlassung in Berlin einzurichten, die sich mit Sortiment, Verlagsvertretungen, Antiquariat und Musikinstrumenten befasst. „Breitkopf & Härtel, Berlin“ ist lange Zeit ein aktives, gut besuchtes Haus in zentraler Hauptstadtlage – zunächst in der Potsdamer Straße und seit 1928 in der Steglitzer Straße, als Breitkopf & Härtel den Berliner Verlag Carl Simon übernimmt, der in den Orgelkatalog zahlreiche Werke Sigfrid Karg-Elerts einbringt. Die allgemein ungünstige wirtschaftliche Situation führt indes kurz nach 1928 zur Auflösung der Berliner Breitkopf-Filiale.

Albert Schweitzers Bach-Biografie erscheint

Die Bach-Biographie des jungen elsässischen Organisten Albert Schweitzer – 1905 zunächst unter dem Titel „J.S. Bach. Le musicien-poète“ in französischer Sprache erschienen – betont erneut die reiche Tradition des Bach-Verlages, der jetzt auch die Forschungsergebnisse der nachwachsenden Generation zur Diskussion stellt mit Schweitzers Buch in seinen Katalog ein Werk von epochemachender Bedeutung für Musikwissenschaft und Aufführungspraxis aufnimmt.

Umzug in den Neubau Nürnberger Straße in Leipzig

Rechtzeitig vor der „Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik“, die 1914 in Leipzig stattfindet, wird der Neubau des Verlages fertig, ein „neuzeitlicher Palast der Arbeit in Beton und Eisen“ (so Oskar von Hase in seiner „Gedenkschrift“), in dem die technischen Abteilungen untergebracht sind. Der 1880 m² große Buchdruck-Maschinensaal sprengt alle Superlative und gilt als der größte Druckereisaal der Welt, in dem auch zahlreiche Aufträge anderer Verlage ausgeführt werden. Auch soziale Belange der Belegschaft werden nicht außer Acht gelassen. Oskar von Hase berichtet 1919: „Für die von weither kommenden Mitarbeiter wurde ein 100 Räder fassender Fahrradschuppen erbaut, für Krankheits- und Unglücksfälle ein besonderes Krankenzimmer eingerichtet, und ein behaglicher Aufenthaltsraum für das mittags im Hause verbleibende Personal sowie für die Jugendlichen geschaffen.“
Mit den verschiedenen internationalen Zweigniederlassungen, die nach 1914 wieder aufgegeben werden, umfasst das Personal von Breitkopf & Härtel kurz vor dem Ersten Weltkrieg fast 1000 Mitarbeiter.

Beginn der „Edition Breitkopf“

Aus der „Volksausgabe Breitkopf & Härtel“ geht die „Edition Breitkopf“ hervor. Mit der Umbenennung will der Verlag die internationale Verbreitung der Basisausgaben fördern: „Wir haben uns entschlossen, von jetzt an unsere Volksausgabe Breitkopf & Härtel Edition Breitkopf zu nennen. In planmäßiger Weise haben wir im letzten halben Dezennium an dem Ausbau dieses mächtigen Unternehmens gearbeitet, haben, was zu seiner Vervollständigung fehlte, neu aufgenommen, ausgeschaltet, was nicht mehr zeitgemäß war, durch neu revidierte und durch neu gestochene Bände ersetzt, was in Stich und Druck nicht mehr auf der Höhe der Zeit stand oder was nach dem heutigen Stande der Musikpädagogik nicht mehr voll genügen konnte.“

Hellmuth von Hase tritt in die Verlagsleitung ein

Mit dem 200-jährigen Verlagsjubiläum setzt Oskar von Hase, bereits im 73. Lebensjahr, den Schlussstrich unter sein Lebenswerk, die umfangreiche Darstellung „Gedenkschrift und Arbeitsbericht“, die auch heute als verlässlichste Quelle zur Verlagsgeschichte seit ihren Ursprüngen gelten kann. Als Festveranstaltung wird in der Leipziger Oper Otto Lohses „Der Prinz wider Willen“ aufgeführt.

Die Geschäftsführung geht auf seinen Sohn Hellmuth von Hase (* 30. Januar 1891 in Leipzig, † 18. Oktober 1979 in Wiesbaden) über. Hellmuth von Hase, promovierter Jurist, ist als sechster (!) Sohn nicht von Anfang an für die Nachfolge in der Verlagsleitung bestimmt gewesen. Infolge der anderweitig ausgerichteten Berufswahl und des Kriegsschicksals seiner älteren Brüder tritt er am 1. Januar 1919 als persönlich haftender Gesellschafter ein. Seit 1921, seit seiner Wahl in den Vorstand des Leipziger Buchhändlervereins wird Hellmuth von Hase in verschiedenen Verbänden (Börsenverein des deutschen Buchhandels, Deutscher Musikalien-Verleger-Verein, Deutscher Musikverleger-Verband, Musiksektion der Internationalen Verleger-Union) ehrenamtlich tätig. Wie sein Großvater Hermann Härtel wird er 50 Jahre lang für die Geschicke des Verlags verantwortlich sein – bis 1940 gemeinsam mit Ludwig Volkmann, seit 1923 auch mit dessen Sohn Wilhelm Volkmann (*5. Juli 1898 in Leipzig, † 19. Juli 1939 in Oberloschwitz/Dresden), schließlich, von 1936 bis 1965, mit seinem jüngeren Bruder Martin von Hase (*6. Dezember 1901 in Leipzig, † 15. Oktober 1970 in Wiesbaden).

Beginn der „Brahms Gesamtausgabe“ bei Breitkopf & Härtel

Eusebius Mandyczewski, Archivar der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, und Hans Gál, Komponist und Musikforscher, beginnen mit der Herausgabe der „Brahms-Gesamtausgabe“. Trotz der durch Weltwirtschaftskrise und Inflation schwierigen äußeren Bedingungen erscheinen in erstaunlich kurzer Zeit bis 1927, dem Ablauf der unverändert nur 30 Jahre währenden urheberrechtlichen Schutzfrist, die 26 Bände. Aufführungspraktische Folgeausgaben schließen sich an. Breitkopf & Härtel ist von diesem Zeitpunkt an „Brahms-Verlag“.

„Der Bär“ – Breitkopf & Härtels Jahrbuch erscheint zum ersten Mal

„Der Bär“, das neue Jahrbuch von Breitkopf & Härtel, wird nach dem traditionsreichen Wappentier benannt. Die sechs Jahrgänge bis 1930 verbinden Schöngeistiges, Anekdotisches und Historisches zu einem aktuellen, mitunter an den Komponistenjubiläen (Beethoven 1927, Schubert 1928) orientierten Pasticcio.

Weiteres Engagement für zeitgenössische Komponisten

Der Erwerb zahlreicher Werke Johann Nepomuk Davids aus dem Filser-Verlag, der vor der Auflösung steht, mag stellvertretend für die vielfältigen Bemühungen um die zeitgenössische Musik sein, die Breitkopf & Härtel auch nach 1919 wieder aufgenommen hat. Der junge österreichische Komponist steht kurz vor seiner Berufung an das Leipziger Konservatorium und gelangt in einen Verlagskatalog, in dem bereits wieder neue, hoffnungsvolle Autoren wie Othmar Schoeck, Sigfrid Karg-Elert, Günter Raphael, Kurt Thomas und Hugo Distler vertreten sind. Bei der Vielzahl der weiteren Namen bildet die Leipziger Schule um Karl Straube einen deutlichen inhaltlichen Schwerpunkt.

Zerstörung der Verlagsgebäude durch Bombenangriffe

In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember werden durch einen Bombenangriff auf Leipzig die Verlagsgebäude im graphischen und drucktechnischen Zentrum am Rande der Innenstadt weitestgehend zerstört. Auch Breitkopf & Härtel ist durch die vollständige Zerstörung des 1867 errichteten Firmengebäudes schwer betroffen, Teile der technischen Betriebsgebäude und einige Druckmaschinen bleiben jedoch erhalten. Da umfangreiche Archivbestände zuvor ausgelagert worden waren, kann die Verlagstätigkeit – in erheblich reduziertem Umfang – bis Kriegsende fortgeführt werden.

Übersiedlung des Verlages nach Wiesbaden

Am 19. Juni übersiedelt Hellmuth von Hase mit seiner Familie und wenigen Mitarbeitern nach Wiesbaden: „Im Leipziger Betrieb wurde in aller Eile das ‚Umzugsgut‘ des Verlages herausgesucht – Karteien, Statistiken und vor allem Druckvorlagen zu den gangbarsten Werken für den ersten Produktionsbedarf. In den nur mittelgroßen Möbelwagen waren bereits tags zuvor unsere und die den Mitarbeitern gehörenden Koffer, Kisten und einige Möbelstücke verstaut worden; der übrige Raum wurde nun bis zum letzten Winkel mit dem Verlagsgepäck ausgefüllt. Die Amerikaner hatten einen Leipziger Fuhrunternehmer verpflichtet, der bereits die vor uns übersiedelten Verleger nach Wiesbaden gebracht hatte; er fuhr noch in der folgenden Nacht los und brachte alles wohlbehalten ans Ziel.“ Verlegerische Aktivitäten werden unmittelbar danach aufgenommen und nach 1951 verstärkt fortgeführt, nachdem durch den Verkauf wertvoller Handschriften aus dem Verlagsarchiv an das Land Hessen erhebliche Mittel zur Verfügung stehen.

Das Bach-Werke-Verzeichnis (BWV) erscheint bei Breitkopf & Härtel

Erneut ein Bach-Gedenkjahr, in dem der Verlag Geschichte schreibt. Wolfgang Schmieder, seit 1933 Archivar von Breitkopf & Härtel in Leipzig, legt sein „Thematisch-systematisches Verzeichnis der musikalischen Werke von J.S. Bach“ (BWV) vor, obwohl 1943 in Leipzig Original-Manuskript, Druckbögen und ein großer Teil der Stichplatten zerstört worden waren.

Enteignung des Verlages in der DDR und Verurteilung von Hellmuth von Hase

Nachdem bereits 1951 ein Treuhänder für den Leipziger Verlag eingesetzt worden ist, wird Hellmuth von Hase am 18. Januar 1952 in Leipzig in Abwesenheit wegen Vergehen gegen die Wirtschafts-Strafverordnung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, um das Vermögen der persönlich haftenden Gesellschafter einziehen zu können. Der Verlag wird zwangsenteignet, in den „VEB [Volkseigener Betrieb] Breitkopf & Härtel, Leipzig“ umgewandelt und später, stark eingeschränkt, im Leipziger „Hofmeister-Haus“ in der Karlstraße 10 unter einem Dach mit dem VEB Hofmeister-Verlag und dem 1954 neu gegründeten „VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig“ (DVfM) weitergeführt.

Beginn der „Reger-Gesamtausgabe“

Die „Reger-Gesamtausgabe“ wird das erste große Editionsprojekt des Wiesbadener Verlags. Der im Herbst 1953 erfolgte Aufruf zur Subskription trifft auf ein lebhaftes Echo. Zahlreiche namhafte Wissenschaftler tragen als Herausgeber zu den Bänden bei, die im Lektorat des Verlags durch Gerd Sievers, mit seiner Dissertation über „Die Grundlagen Hugo Riemanns bei Max Reger“ ein ausgewiesener Reger-Experte, betreut werden. Mit dem Erscheinen des 38. Bandes (Supplemente III) wird die Reger-Gesamtausgabe 1984 nach genau 30 Jahren abgeschlossen.

In den Jahren 1953/54 wird auch der Einsatz für die zeitgenössische Musik wieder verstärkt. Mit neuen Verlagsautoren wie Jürg Baur, Friedrich Voss, Julien-François Zbinden, den ersten Werken Hans Zenders, der Weiterführung der Zusammenarbeit mit J.N. David und Günter Raphael und schließlich der Einrichtung der Reihe „Collegium Musicum Novae“, in der die leicht spielbare Neue Musik für Schulorchester und Hausmusik veröffentlicht wird, sind die wichtigsten Stichworte genannt.

Gründung der Sibelius-Gesellschaft

Die „Deutsche Sibelius-Gesellschaft“ wird auf Initiative des Verlags ins Leben gerufen, Hellmuth von Hase zum Geschäftsführer ernannt. Bis 1968 finden an wechselnden Orten sechs Musikfeste statt, die dem Werk des finnischen Komponisten gewidmet sind und der Rezeption in Deutschland wichtige Impulse verleihen. Für seine Verdienste um das kompositorische Werk von Jean Sibelius war Hellmuth von Hase bereits in Leipzig zum finnischen Konsul ernannt worden – einen Titel, den er bis Kriegsende geführt hat.

Eintritt von Lieselotte Sievers in die Verlagsleitung

Lieselotte Sievers geb. von Hase (*18. April 1928 in Leipzig), die jüngste Tochter Hellmuth von Hases, wird an der Seite ihres Vaters und Joachim Volkmanns (* 30. November 1926 in Leipzig),der 1953 als Gesellschafter in den Verlag eingetreten ist und als Sohn des früh verstorbenen Wilhelm Volkmann die zweite Linie der Härtel-Genealogie weiterführt, persönlich haftende Gesellschafterin von Breitkopf & Härtel. Nach dem Musikhochschulstudium von Freiburg im Fach Violine und der Ausbildung zur Musikalienhändlerin und Musikverlegerin hat Lieselotte Sievers seit 1951 den Verlag insbesondere in den Bereichen Vertrieb, Werbung und in urheberechtlichen Belangen „von der Pike auf“ kennengelernt und später Aufgaben in Fachausschüssen des Deutschen Musikverleger-Verbandes und der GEMA wahrgenommen. Die in längeren Aufenthalten in Lausanne und London erworbenen Sprachkenntnisse und Auslandserfahrungen bildeten eine profunde Basis für die späteren internationalen Aufgaben.

Umzug in die Walkmühlstraße in Wiesbaden

„Walkmühlstraße 52“ – so lautet seit Dezember 1967 die Anschrift der „Verlags-Zentrale, die (nach etlichen Umzügen innerhalb der Wiesbadener Innenstadt) in reizvoller Lage am Stadtrand dauerhaft eingerichtet werden kann. Die denkmalgeschützte Villa aus dem Jahr 1911 wurde vordem als Wohnhaus genutzt und beherbergt bis 1986 außer der Auslieferung sämtliche Fachabteilungen des Verlags.

Dass sich die editorische Arbeit eines traditionsreichen Verlags nicht in Neuerscheinungen erschöpfen kann, wird angesichts der wachsenden Ansprüche an verlässliche, quellenorientierte Notentexte immer stärker spürbar. So beginnt Heinz Lohmann 1967 für Breitkopf & Härtel mit der Revision der „Sämtlichen Orgelwerke“ von Johann Sebastian Bach und begründet damit auch die inzwischen stattliche Zahl von Orgel-Neuausgaben des Verlags. 1971 kommen mit den „Sämtlichen Orgelwerken“ von Dietrich Buxtehude die ersten Bände der von Klaus Beckmann betreuten Reihe „Norddeutsche Orgelmeister“ hinzu.

250. Verlagsjubiläum wird in beiden deutschen Staaten gefeiert

Das 250. Verlagsjubiläum wird am 27. Januar im Wiesbadener Kurhaus festlich begangen und steht vollständig im Zeichen des 50-jährigen Wirkens Hellmuth von Hases in der Verlagsleitung. Die Festansprache extemporiert Franzpeter Goebels. Darüber hinaus verfasst Rudolf Elvers einen grundlegenden historischen Überblick. Mit der Weiterführung der von seinem Vater begonnenen Darstellung „Gedenkschrift und Arbeitsbericht“ hatte Hellmuth von Hase schon im Oktober 1968 den Schlussstrich unter ein wechselvolles Kapitel der Verlagsgeschichte gezogen und resümiert: „Wohl in keinem der fünf Halbjahrhunderte des Bestehen unseres Hauses hat sich so Einschneidendes, Umwälzendes, ja Katastrophales und in das persönliche Leben des Einzelnen Eingreifendes ereignet wie in diesem letzten Abschnitt. … Erst … 1918 begann die Kette schwerwiegender politischer Ereignisse, die sich über mehr als drei Jahrzehnte fortgesetzt und auch in der Gegenwart noch kein Ende gefunden haben.“

Nach den fünf Jahrzehnten verantwortlicher Tätigkeit zieht sich Hellmuth von Hase in der Folgezeit mehr und mehr in das Privatleben zurück.

Neubau für Lager und Auslieferung in Taunusstein

Der Erwerb eines Grundstücks in der (Oberen) Waldstraße in Taunusstein-Wehen, 8 km von Wiesbaden entfernt, schafft die Voraussetzungen für den Bau eines verlagseigenen Auslieferungslagers. Schon im Januar 1971 findet der Auszug aus den verschiedenen Wiesbadener Gebäuden statt, auf die die Lagerbestände bis dahin verteilt gewesen sind. Durch die 1984 erfolgte Fertigstellung des dreistöckigen Anbaus können die Abteilung „Werbung und Vertrieb“ und „Orchester und Bühnen“ das Verlagshaus in der Walkmühlstraße verlassen und sich in den neuen Räumlichkeiten in Taunusstein-Wehen großzügiger einrichten.

Die ersten „Musikpädagogik“-Mitteilungen des Verlags, die alle zwei Jahre bis 1976 erscheinen, bedeuten auch eine verstärkte Orientierung der Verlagsproduktion an unterrichtsrelevanten Themen. Gleichzeitig wird die zweiteilig angelegte Schallplattenreihe „Aktuelle Popmusik im Unterricht“ angekündigt (Reihe A: Schlager – Beat – Tanzmusik, Reihe B: Folklore – Jazz – Musical – Filmmusik) und zur Subskription angeboten sowie die Reihe „Folklore der Welt“ – im Untertitel „Chorische Unterhaltungsmusik – gemeinsam mit dem Barocco-Verlag ins Leben gerufen.

Gottfried Möckel tritt in die Verlagsleitung ein

Nach dem überraschenden Ausscheiden Joachim Volkmanns erscheint die Zukunft des Verlags zunächst ungewiss. Lieselotte Sievers, allein für dessen Geschick verantwortlich, gewinnt Gottfried Möckel (* 10. April 1926 in Jaur/Bezirk Liegnitz, † 15. Januar 2009 in Kelkheim-Ruppertshain) als Berater. Seit 1979 leitet Gottfried Möckel gemeinsam mit Lieselotte Sievers als Geschäftsführender Gesellschafter den Verlag. Der berufliche Werdegang Gottfried Möckels mag nicht untypisch für die Zeit unmittelbar nach 1945 sein. Nach der Banklehre, die er während der Kriegsjahre durchläuft, baut Möckel in Löbau/Sachsen eine größere Steuerberaterpraxis auf, die er 1951 kurz vor seiner Übersiedlung nach West-Berlin verkauft. Dort ist Möckel zunächst in einer namhaften Wirtschaftsprüfergesellschaft tätig. 1958 wechselt er in ein deutsches Zweigunternehmen eines Schweizer Konzerns. Möckel ist maßgeblich beteiligt an der Zusammenführung der drei deutschen Konzerngesellschaften mit Sitz in Frankfurt, deren Geschäftsführung er sodann von 1971 bis 1976 innehat. Einen Fingerzeig auf die künftige musikverlegerische Aufgabe gibt seine Leidenschaft zur Musik, die sich schonfrühzeitig in einer Gesangsausbildung niederschlägt.

In den Folgejahren verstärkt das Wiesbadener Verlagshaus die Produktion von Notenausgaben, die es zuvor noch als Sortimentslieferung aus Leipzig bezogen hat. Andererseits wird die Kooperation mit dem Leipziger „VEB Breitkopf & Härtel“, durch die bereits 1973 Wolfgang Adelungs „Einführung in den Orgelbau“ in das Wiesbadener Buchprogramm gelangt war, intensiviert. In sogenannten „Mitdruckauflagen“ (für Konzeption und Inhalt ist Leipzig, für das Papier und später vereinzelt für die Umschlaggestaltung wird Wiesbaden verantwortlich) entstehen bis 1989 einige wichtige Buch. und Notenausgaben.

Übernahme des Gerig-Verlages, Köln

Breitkopf & Härtel erwirbt das zeitgenössische Verlagsprogramm des Kölner Gerig-Verlags. Autoren wie Helmut Lachenmann, Nicolaus A. Huber, York Höller und viele andere haben der „Edition Gerig“ in den 70er Jahren ein markantes, eigenständiges Profil gegeben. Auch die Generalvertretung des niederländischen Verlags DONEMUS, Amsterdam, geht mit der Neuen Musik der Edition Gerig auf Breitkopf & Härtel über.

Umschläge und Außenauftritt werden modernisiert

Der „Vignetten“-Umschlag für Klavier-Standardausgaben aus Klassik und Romantik nimmt mit den Sonatinen Muzio Clementis seinen Anfang, kommt im Folgejahr mit Brahms-Reprints verstärkt zur Geltung und verdeutlicht die gewachsenen optischen Ansprüche, die Breitkopf & Härtel an seine Neuausgaben und Neuauflagen stellt.

Ein Jahr später startet die inzwischen weit verbreitete Serie „weißer Umschläge“ (mit farbigem Soloinstrument) mit der Neuausgabe der Flötensonaten Friedrich des Großen von Gerhard Braun. Weitere Neuausgaben für Flöte und Klavier bzw. Continuo erscheinen in den Folgemonaten. Das strahlende Weiß wird alsbald auf die Soloinstrumente Violine, Viola und Violoncello bzw. im Querformat auf die Orgel Neuausgaben des Hauses übertragen. Durch einen zeitgemäßen Umschlag wird auch die wachsende Zahl der Breitkopf-Studienpartituren bei ihrer Neuauflage „umgerüstet“, auch im Innenleben herstellerisch verschönert und durch Vorworte bereichert, bis 1992 ein Sonderprospekt auf 10 Jahre Arbeit zusammenfassend zurückblicken und wieder etliche neue „Breitkopf Studienpartituren“ ankündigen kann.

Gründung der Niederlassung Paris

Der seit 90 Jahren bestehende Vertretungsvertrag mit den Editions Costallat, Paris, wird aufgelöst, eine verlagseigene Niederlassung in Paris gegründet und in der großzügig angelegten Souterrain-Etage im Hause Rue (Jean-Baptiste) Pigalle Nr. 20 eingerichtet. Die bis heute einzige Auslandsfiliale ist für das gesamte Verlagsprogramm in Frankreich zuständig. „Breitkopf & Härtel, Paris“ ist keine Büroadresse, sondern lädt mit seinem Verkaufsraum Musikinteressierte zum Besuch ein. Fast alle in Paris eingehenden Bestellungen treffen innerhalb von 48 Stunden bei den Adressaten ein. Dies gilt auch für die leihweise erhältlichen Orchester- und Bühnenmaterialien, die in Paris ausgeliefert werden. Zusätzlich sorgt die mit der Wiesbadener Verlagsauslieferung in Taunusstein abgestimmte EDV-Anlage für eine gute Effizienz.

Mit einem zweiten Schritt von internationaler Tragweite erlangt der Verlag größere Selbständigkeit: auch die jahrzehntelange Generalvertretung in den USA durch die American Music Publishers, New York (AMP) wird aufgekündigt. (Ausgenommen sind die Leihmateriale, die weiterhin durch AMP vertreten werden.) Bestellungen für Kaufmaterial werden von nun an direkt in Wiesbaden bzw. Taunusstein entgegengenommen und ausgeliefert. Als Konsequenz aus dieser Entscheidung beginnen Lieselotte Sievers und Gottfried Möckel in den folgenden Jahren eine intensive Reisetätigkeit zu den wichtigsten US-amerikanischen und kanadischen Musikalienhändlern.

Max Reger „Sämtliche Orgelwerke“ erscheinen bei Breitkopf & Härtel

Der Wiener Organist Hans Haselböck, unterstützt von Martin Weyer (Marburg), gibt Max Regers „Sämtliche Orgelwerke“ auf der Basis der von Hans Klotz betreuten Bände der Reger-Gesamtausgabe neu heraus.

Schon 1989 liegt die auf 7 Bände konzipierte Edition – viel beachtet in der Fachpresse und durch den günstigen Preis beim Benutzer häufig gefragt, vollständig vor. Zusammen mit den „Sämtlichen Orgelwerken“ von Johann Ludwig Krebs, die Gerhard Weinberger 1984/85 mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft edierte, erfährt die „Orgel-Bibliothek“ des Verlags damit eine doppelte Erweiterung.

Die Zusammenarbeit mit Sabine Meyer, Wolfgang Meyer und reiner Wehle, den Mitgliedern des Trio di Clarone, ermöglicht die Revision der Mozart-Werke für Klarinette bzw. Bassetthorn unter textkritischen und zugleich aufführungspraktischen Aspekten. Ende November erscheint mit dem Divertimento Nr. 2 aus KV Anh. 229 (439b) die erste der „Trio di Clarone“-Ausgaben und führt damit auch den neuen Kammermusik-Umschlag ein. „Quadratisch wirkungsvoll“ (an vielen Ausstellungsständen erprobt) setzt der neue Umschlag bei aller Nüchternheit und Modernität doch die Anfang der 80er Jahre festgelegten Kammermusikfarben Grün (Duos), Rot (Trios, Quartette usw. aus dem Barock) und Blau (Trios, Quartette usw. aus Klassik und Romantik) fort.

Breitkopfs „Tastenkrokodil“ erscheint

Auf der Frankfurter Musikmesse sorgt ein gefräßiges Tier für viel Aufsehen und Resonanz. „Das Tastenkrokodil“, eine Sammlung von sehr leichten Originalwerken für Klavier, herausgegeben von fünf jungen österreichischen Klavierlehrerinnen, spielt sich binnen kurzer Zeit in die Herzen unzähliger Klavieranfänger. Damit die Ausgabe in den lustigen farbigen Zeichnungen auch international stärker verbreitet wird, erscheinen bald auch englische, französische, italienische und japanische „Krokodile“ sowie 1992 eine Folgeausgabe „zu 4 Händen“.

Die neu begonnene Zusammenarbeit mit den Komponisten Michael Gielen, Adriana Hölszky, Mathias Spahlinger und Hans Zender erweitert den „Schwerpunkt Neue Musik“ innerhalb weniger Monate um gewichtige Namen. Zuvor bereits hatten jüngere Autoren wie Manuel Hidalgo und Michael Obst die Musik der Avantgarde ergänzt, die sich in den 80er Jahren immer deutlicher auf die Namen Helmut Lachenmann und Nicolaus A. Huber konzentrierte.

Ein Werk wie Lachenmanns „Mouvement (- vor der Erstarrung)“, 1984 in Paris uraufgeführt und seither von zahlreichen Ensembles im In- und Ausland in mehr als 60 Konzerten erfolgreich vorgestellt belegt nachdrücklich, dass durch engagierte Interpreten auch schwierigste Partituren mit ungewöhnlichen Notationsformen beeindruckend umgesetzt werden können.

Beginn der Zusammenarbeit mit Barthold Kuijken und Ton Koopmann

Mit Barthold Kuijken (Traversflöte) und Ton Koopman (Orgel) werden international bekannte Barockexperten als Herausgeber an den Verlag gebunden. Barthold Kuijken kommentiert zunächst den Reprint des viel zitierten Quantz-Lehrbuchs „Versuch einer Anleitung die Flöte traversiere zu spielen“ und beginnt anschließend mit der grundlegenden Neuausgabe der Flöten-Kammermusik von Johann Sebastian Bach. Ton Koopman wendet sich den Orgelkonzerten Georg Friedrich Händels zu und beginnt seine Arbeit mit der editorisch heiklen und bis zu diesem Zeitpunkt nicht zuverlässig vorliegenden Werkgruppe op. 7.

100. Geburtstag von Breitkopf & Härtel’s „Orchesterbibliothek“

Mit gewichtigen Neuausgaben wird das Jubiläum „100 Jahre Breitkopf & Härtels Orchester-Bibliothek“ begangen. Der Dirigent und Musikforscher Peter Gülke revidiert Schuberts „Unvollendete“, und das Trio di Clarone sorgt für die Erstausgabe der Orchesterfassung von Mendelssohns Konzertstück op. 113. Nach einem Quellenfund im Notenarchiv der New Yorker Philharmoniker sorgt der Verlag für die Neuausgabe von Dvoráks Symphonie „Aus der Neuen Welt“, die damit erstmals in einer kritisch revidierten und zugleich aufführungspraktischen Ausgabe vorliegt. Das Jubiläum wirft auch die Frage nach einer Neugestaltung des traditionsreichen Umschlags auf, den Hellmuth von Hase in seiner Verlagsgeschichte 1968 für zeitlos befunden hatte. Seit 1990 werden bei textkritischen Orchester-Neuausgaben lediglich Schrift und Grundfarbe der Partitur-Umschläge geändert. Diese Lösung dürfte – zumindest vorerst – die Zeitlosigkeit des Entwurfs bestätigen.

Nach 40 Jahren kann die Fachwelt wieder auf eine aktualisierte BWV-Nummerierung zurückgreifen. Wolfgang Schmieder arbeitet bis zuletzt unermüdlich an der „2., überarbeiteten und erweiterten Ausgabe“ seines Bach-Werke-Verzeichnisses. Wenige Wochen nach dem Erscheinen des neuen BWV zur Frankfurter Buchmesse stirbt Wolfgang Schmieder im Alter von 88 Jahren.

Rückübertragung des Leipziger Stammhauses

Durch die Ereignisse im Herbst 1989 im Herbst in der DDR und den Fall der Berliner Mauer beginnt sich eine über vier Jahrzehnte währende Erstarrung zu lösen. Erste Konturen einer veränderten Musikverlagslandschaft zeichnen sich bereits im Kaufe des Jahres 1990 ab. Breitkopf & Härtel übernimmt am 1. Januar 1991 die Generalvertretung des Deutschen Verlags für Musik, Leipzig (DVfM). In der Öffentlichkeit wird die exklusive Vertretung erstmals auf der Frankfurter Musikmesse im März am Breitkopf-Messestand dokumentiert.

Die nach langwierigen Bemühungen im Herbst 1991 erwirkte Rückgabe des seinerzeit zwangsenteigneten Verlags eröffnet neue verlegerische Perspektiven: Breitkopf & Härtel, Leipzig, wird als eigenständige GmbH weitergeführt. Im Laufe des Jahres zeichnet sich in Leipzig neben den Bereichen Verwaltung und Rechnungswesen der Fortbestand der Abteilungen Lektorat und Herstellung wie der Orchester- und Bühnenabteilung ab. Der Leipziger Grundbesitz mit dem völlig heruntergewirtschafteten ehemaligen Betriebsgebäude sowie den beiden mehrstöckigen Wohngebäuden und dem sogenannten „Pförtnerhaus“ geht wieder in das Eigentum des Verlags über. Auch umfangreiche Archivbestände, die trotz der Kriegswirren erhalten geblieben sind und sich noch in der Obhut des Sächsischen Staatsarchivs Leipzig befinden, werden dem Verlag zurückgegeben. Seit Ende 1991 firmiert der Verlag als „Breitkopf & Härtel Buch- und Musikverlag – Wiesbaden, Leipzig, Paris“.

Im Beisein prominenter Gäste aus Musik und Politik erfolgt am 14. März die Neueröffnung der „Musikalienhandlung J. S. Bach“ am Leipziger Neumarkt, die mit Breitkopf & Härtel einen neuen Eigentümer gefunden hat.

Übernahme des „Deutschen Verlages für Musik“ DVfM

Nach grundlegenden, von Gottfried Möckel bei der Berliner Treuhandanstalt geführten Verhandlungen erwirbt Breitkopf & Härtel mit Wirkung vom 1. Januar 1992 den Deutschen Verlag für Musik, Leipzig. Der Katalog des am 1. Januar 1954 in Leipzig gegründeten DVfM umfasst nebst vielem anderen die Leipziger Mendelssohn-Ausgabe (LMA), die Gesamtausgaben der musikalischen Werke Scheidts und Gesualdos, die Buch-Gesamtausgaben „Richard Wagner- Sämtliche Briefe“ und „ „Beethovens Konversationshefte“, zahlreiche Werke Hanns Eislers, viele musikpädagogische Editionen sowie viele namhafte zeitgenössische Autoren (Siegfried Matthus, Siegfried Thiele, Udo Zimmermann u.v.a.).

Nach Übernahme der Generalvertretung 1991 ist die Privatisierung und unternehmerische Weiterführung des Deutschen Verlags für Musik ein zweiter entscheidender Schritt. Er bedeutet nach den Worten Möckels eine „Garantie von 8 Arbeitsplätzen, eine definitive Bestandsgarantie für die wichtigsten Bereiche des Verlags, Investitionsmöglichkeiten für die weitere Entfaltung der verlegerischen Aktivitäten und gleichzeitig nach der Rückübertragung des Leipziger Stammhauses von Breitkopf & Härtel einen weiteren wichtigen Impuls für die traditionsreiche Verlagsstadt Leipzig“. Mit der Fortsetzung der Verlagsarbeit von Breitkopf & Härtel, Leipzig, und des DVfM seit März 1992 in den traditionsreichen, neu hergerichteten Geschäftsräumen von Breitkopf & Härtel in der Bauhofstraße/Nürnberger Straße sind entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt.
Bereits zum Ende 1991 hat Breitkopf & Härtel in beiderseitigem Einvernehmen die letzte Exklusiv-Vertretung für Kaufmaterial durch den Verlag Alfred A. Kalmus, London, gekündigt. Robin Winter, durch seine frühere Tätigkeit bei Kalmus mit dem Verlagsprogramm gut vertraut, wird Sales Representative für Breitkopf & Härtel in Großbritannien. Kalmus bleibt weiterhin in Großbritannien für die Breitkopf-Leihmateriales verantwortlich.

Bei der ersten Vergabe des „Deutschen Musikeditions-Preises“ durch den Deutschen Musikverleger-Verband (DMV) fallen beide Preise im traditionellen „Bach-Format“ an Veröffentlichungen der Edition Breitkopf. Zum einen handelt es sich um die e-moll-Sonate BWV 1034 aus den textkritischen Neuausgaben der Flöten-Kammermusik Johann Sebastian Bachs , die Barthold Kuijken mit ausführlicher Kommentierung herausgegeben hat, und zum anderen um das „Vierhändige Tastenkrokodil“.

Einführung eines neuen Verlagssignets

Auf der Frankfurter Musikmesse werden im März die neuen Signets von Breitkopf & Härtel und des DVfM vorgestellt – Sinnbild eines neuen Abschnitts er Verlagsgeschichte, die in den vergangenen 25 Jahren erneut ereignisreich gewesen ist und mit den jüngsten Entwicklungen zu den Ursprüngen in Leipzig zurückgefunden hat.

Mit dem großformatigen Kalender „Komponisten an ihren Verlag“, der 13 Briefe bedeutender Autoren wie Beethoven, Schumann, Liszt, Wagner, Brahms, Sibelius u.a. im künstlerisch gestalteten farbigen Faksimilefoto dokumentiert, wissenschaftlich transkribiert – etliche Briefe sind Erstdrucke – und ausführlich kommentiert, werden zum Jubiläumsjahr 1994 Tradition und optische Innovation harmonisch miteinander verbunden.

Breitkopf & Härtel begeht seinen 275. Geburtstag

Am 27. Januar begeht der Verlag in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus Nah und Fern im Kleinen Saal des Neuen Gewandhauses Leipzig sein 275. Jubiläum. In diesem Festakt finden historische Rückschau und der Auftakt für das kommende Vierteljahrhundert des Verlags zusammen.

Veranstaltungen

1. Juni–8. Dezember

2019

  • Bach-Museum Leipzig | Schatzkammer

    »Leipzig, aus der Breitkopfischen Buchdruckerey« | Der Verlag im 18. Jahrhundert

    Anlässlich des 300. Verlagsjubiläums werden in der Schatzkammer des Bach-Museums Leipzig Drucke und Handschriften präsentiert.

    Weitere Informationen auf www.bach-leipzig.de

18. Juli

2019

  • 20 Uhr | Lutherkirche Wiesbaden

    Orgelkonzert zum 300. Verlagsjubiläum im Rahmen des "Orgelsommers 2019"

    Christian Schmitt (Stuttgart) spielt Werke von Bach, Hosokawa, Liszt und Schumann

    Tickets unter www.lutherkirche-wiesbaden.de

28./29. August

2019

1. September

2019

  • 11 Uhr | Staatstheater Wiesbaden | Foyer Großes Haus

    Kammerkonzert zum 300. Geburtstag des Verlages Breitkopf & Härtel

    mit Werken von J. N. Hummel, L. van Beethoven, F. Mendelssohn Bartholdy, F. Schubert, R. Schumann und J. Sibelius

    Kammermusikvereinigung des Hessischen Staatsorchesters | Gesangssolisten des Hessischen Staatstheaters | Erika le Roux, Klavier

    Weitere Informationen zum Konzert finden Sie hier.

18. September

2019

  • 19 Uhr | Kongresshalle am Zoo Leipzig

    Jubiläumsbankett mit Präsentation der Verlagschronik

    (nur für geladene Gäste)

21. Oktober

2019

  • YAMAHA Ginza | Tokyo

    “300 years of Music History – The oldest Music Publishing House Breitkopf & Härtel celebrates its 300th birthday” | Ausstellung

9. November

2019

  • 18 Uhr | Gewandhaus Leipzig

    Adolph Bernhard Marx | „Mose“ – Oratorium in drei Teilen nach Worten der Heiligen Schrift

    Gemeinsames Editionsprojekt und Konzert mit CD-Produktion

     

    Solisten | Gewandhauschöre | Camerata Lipsiensis | Dirigent: Gregor Meyer

6.–8. Dezember

2019

  • 10 Uhr | Zentrum für Musikwissenschaft an der HMT Leipzig

    „300 Jahre Breitkopf & Härtel“ | Tagung

    Organisiert von Christoph Hust (HMT Leipzig), Thekla Kluttig (Staatsarchiv Leipzig) und Peter Wollny (Bach-Archiv Leipzig)

    (Anmeldung erforderlich)